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24 Stunden auf einer Schlaganfall-Station

Lebensretter im Einsatz: Was das Team der Stroke-Unit im Erlanger Universitätsklinikum leistet. Eine Reportage


Moderne Technik: Überwachungsmonitore in der Stroke Unit desUniversitätsklinikums Erlangen

16:30. Es ist Besuchszeit, und Inge Lehman (Name geändert) sorgt sich um ihre Katzen. An ihrem Bett sitzt ihre Tochter, die die 77-Jährige beruhigt: Die Nachbarn kümmern sich schon. Zwei Tage sind vergangen, seit Inge Lehmann bei einer Familienfeier plötzlich auf ihrem Stuhl zusammensackte. Nach 15 Minuten war der Notarzt da, der sie mit Verdacht auf Schlaganfall in das Universitätsklinikum Erlangen brachte. Kurz nach der Aufnahme lag Inge Lehmann bereits im Computertomografen (CT), der nach einer Minute den Verdacht bestätigte: Ein Infarkt im Bereich der mittleren Hirnarterie, ein Blutpfropf verstopfte das Gefäß.

Noch im CT bekam sie die rettende Infusion,die Arterie war wieder frei. Bis dahin waren eineinviertel Stunden vergangen und Teile des Gehirns nicht mit Blut versorgt worden. „Studien zeigen, dass maximal vier Stunden zwischen dem ersten Symptom und der Behandlung vergehen dürfen. Dann können Lähmungen oder Sprachstörungen oft noch behoben werden“, erklärt Professor Dr. Stefan Schwab, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik am Erlanger Universitätsklinikum. Später lassen sich die Folgen des Schlaganfalls meist nur noch mindern.



Blick in den Schädel: Der Magnetresonanztomograf zeigt, wo der Infarkt aufgetreten ist

17:07. Inge Lehmann und ihre Tochter planen die Zeit in der Reha-Klinik. Die beginnt bereits in vier Tagen, bis dahin wird sie noch auf der Schlaganfallstation des Erlanger Universitätsklinikums bleiben. Auf dieser sogenannten Stroke Unit kümmern sich Ärzte, speziell geschulte Pfleger und Therapeuten darum, den Schaden, den der Infarkt im Hirn angerichtet hat, zu beheben. Deshalb bekommen Schlaganfallpatienten auf einer Stroke Unit oft nur Stunden nach der Aufnahme unterstützende Behandlungen durch Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten.


18:37. Die letzten Besucher sind weg, als die Notaufnahme anruft und einen Patienten ankündigt. Der Mann, Ludwig Orth (Name geändert), sitzt beim diensthabenden Arzt und beantwortet mit undeutlichen Worten dessen Fragen. Mit einem Krampf im linken Arm fing es bei ihm an. Als er kaum noch ein Gefühl in der Hand hatte, fuhr seine Freundin mit ihm in die Notaufnahme. Jetzt steht sie etwas verloren im Gang, während der Arzt prüft, welche Hirnfunktionen vom Schlag getroffen wurden. Er lässt Orth die Mundwinkel hochziehen. Das klappt nur rechts, sodass der 59-Jährige ein unfreiwillig schiefes Lächeln zeigt. Die Nadelpikser auf dem Oberarm spürt er kaum, und das Schlucken fällt ihm schwer. Er wolltenicht ins Krankenhaus, weil sich dann niemand um seine Bäckerei gekümmert hätte. Deshalb kam er erst, als die Symptome schlimmer wurden.


Holt das Team der Stroke Unit die Zeit, die er verloren hat, wieder ein? Gleich nach seiner Einlieferung beginnt die Arbeit des eingespielten Netzwerks ausNeurologen, Kardiologen, Schwestern und Therapeuten. Sie machen sich sofortdaran, die Ursache von Orths Schlag-anfall zu finden. Gleichzeitig setzen die ersten Rehamaßnahmen ein, die Aufgabe der Therapeuten.
 
19:05. Heute Nacht wird Ludwig Orth der dreizehnte Patient auf der Stroke Unit sein. Von dem kurzen Flur, auf dem die Spezialstation liegt, gehen sechs Patientenzimmer ab, 14 Betten gibt es insgesamt. Die meisten Türen stehen offen, die Pfleger machen ihre Abendrunde, eine ruhige Geschäftigkeit herrscht auf der Station. Der neue Patient wird gleich in die Routine eingebunden, bekommt die Blutdruckmanschette umgelegt und einen Nachttisch ans Bett gestellt. Ein Zimmer weiter ist Inge Lehmann bereits eingeschlafen, nachdem ihre Tochter ihr versichern musste, dass die Nachbarn sich nicht nur um ihre Katzen, sondern auch um den Garten kümmern.



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Julia Lüneburg / Senioren Ratgeber; 25.02.2010, aktualisiert am 07.02.2012
Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann, W&B/Bert Bostelmann

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